Ein Traum, ein Fall: Thema Alkoholismus


Träume...der Schlüssel zur Seele, vergangener und verdrängter Erinnerungen? Oder sind sie doch nur Hauptbestandteil unserer täglichen Erfahrungen und Probleme? Im letzten Beitrag (Träume - was sagen sie über uns aus?) habe ich dir einige allgemeine über das Träumen erzählt mitsamt einem älteren Traumbeispiel meinerseits. Heute möchte ich ein Stück tiefer in die Traummaterie eindringen. Ich habe mit einer Kommilitonin und Freundin aus meinem Studium gesprochen. Zufällig kamen wir auf das Thema Träumen zu sprechen. Sie sagte: "Du, ich hatte heute voll dem merkwürdigen Traum. Einige Dinge kann ich gar nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Es scheint als haben sich einige der gesehen Szenen fest eingebrannt. Willst du mal hören?" Gespannt ließ ich mir ihren Traum erzählen. Anschließend fragte ich sie ob sie etwas dagegen hätte, wenn ich ihren Traum auch auf Psychologiezauber posten würde. Sie hatte nichts dagegen, wollte aber anonym bleiben. Ich werde ihren Traum jetzt so gut wie ich ihn in Erinnerung behalten habe hier wiedergeben.

 

In meinem Traum befand ich mich in meinem früheren Kinderzimmer. Mittlerweile bin ich für das Studium wie du ja weißt, längst in eine andere Stadt gezogen. Heute Nacht befand ich mich aber wieder dort und es sah alles genauso aus wie ich es in Erinnerung hatte. Es war bloß etwas unordentlicher als normal. Meine beiden jüngeren Geschwister befanden sich im Kinderzimmer nebenan. Plötzlich merkte ich, dass ich dringend auf Toilette musste und ging in Richtung Badezimmer. Davor stand meine Mutter und torkelte vor mir ins Bad hinein. Ich bekam einen Schreck, denn sie hatte mit dem Trinken doch längst aufgehört! Ich lief mit schweisbedeckter Stirn in die Küche und tatsächlich. Dort standen um die sieben Gläser, jedes bis zum Rand mit Alkohol gefüllt. Ich beeilte mich und kippte das erste Glas in die Blumen. Doch meine Mutter war plötzlich sehr schnell wieder da. Sie blickte mich hasserfüllt an. Ich trat hingegen auf sie zu und umarmte sie, fing an zu weinen und sagte: "Mama ich will nicht dass du trinkst. Bitte hör doch auf damit. Du warst immer so schrecklich zu mir wenn du betrunken warst." Sie fragte: "Du möchtest dass ich aufhöre zu trinken?" Ich nickte heftig mit dem Kopf. "Das kann ich nicht, erwiderte sie, mein Mann ist gestorben." Im nächsten Moment wurde ihr Blick wieder kalt und starr wie so oft. Sie schubste mich zurück und ging wieder in Richtung der Alkohol Gläser. Auch mich packte nun die Wut. Wie eine Irre stürzte ich mich auf die Gläser und auf sie und es entstand ein Kampf in dem es um alles oder nichts ging. Meine Mutter schrie: "Ich bringe dich um ich hätte es schon früher tun sollen du Nichtsnutz!" Ich entgegnete:" Ich wünschte du wärst nicht meine Mutter!" Den ganzen restlichen Traum lang kämpften wir, wir nahmen alles was wir in die Finger bekommen konnten und schlugen und damit. Meine beiden jüngeren Geschwister hatten das mitbekommen. Meine Schwester hockte in der Ecke und wippte ihren Kopf auf und ab. Mein Bruder war am weinen. Der Kampf verlagerte sich in mein Kinderzimmer, doch es sah schlecht für mich aus. Meine Mutter war stärker und von ihrem anfänglichen Torkeln war nichts mehr zu sehen. Ich lag am Boden und sie packte mich an einem Bein und schleifte mich in Richtung Fenster. Ich weinte nun auch und flehte: "Nein nein nicht aus dem Fenster werfen!" Meine Mutter lachte und meinte: "Du hattest schon als Kind ständig Angst auf dem Fenster zu fallen." Plötzlich sah ich meinen Bruder wieder vorne stehen. Er schaute mich einfach an. Ich riss mich irgendwie los, sprang auf mein Bett und gab ihm das Zeichen die Polizei anzurufen. Bis jemand kam musste ich mich weiter mit allem was mir möglich war verteidigen. Endlich kam jemand. Statt der Polizei standen Wissenschaftler vor uns die meine Mutter erstmal betäubten. Dann zeigten sie uns Pläne mit aufgelisteten Familien in denen der Alienvirus Alkoholismus aufgetreten war. Sie sagten: "Glücklicherweise konnten wir gegen diese Parasiten aus dem All ein Gegenmittel entdecken. Es hat allerdings einige Nebenwirkungen." Sie gab meiner Mutter das Gegenmittel. Diese verwandelte sich in einen Mann und ich wurde plötzlich zu diesem Kerl. Doch das war nicht schlimm, sie bzw. ich waren geheilt. 

 

*Monas Hintergrund: Wie du dir schon gedacht haben könntest kam es in dem Familienkreis meiner Freundin zu Alkoholmissbrauch, wenn nicht sogar zur Alkoholabhängigkeit. Sie vertraute mir an, dass sie sich früher als Kind nur zu oft gewünscht habe, zu ihrer Mutter in die Küche zu laufen und den Alkohol zu vernichten. Allerdings befand sich ihr Stiefvater auch dort. Er trank nicht aber befand sich in einer sogenannten CO-Abhängigkeit. Er besorgte Monas Mutter den Alkohol. Er sorgte aber auch dafür, dass sie und ihre Geschwister nicht abends zu ihr in die Küche liefen wenn sie trank. In ihrem Traum war der Stiefvater allerdings gestorben und so gab es niemanden mehr der aufpasste. In dem Traum kamen viele alte Ängste wieder hoch, doch am Ende gab es ein Happy End. Ihr Unterbewusstsein wünscht sich wohl, dass ihre Mutter den Alkohol eines Tages besiegen kann. Auch dass der Alkoholismus, eine meist psychisch bedingte Krankheit, im Traum als Alienvirus dargestellt, der ausgerottet wurde, spricht für den großen Wunsch nach Heilung der Mutter. Im Traum sind noch viele weitere Elemente die man deuten könnte, doch ich denke, viele der Dinge versteht man als Außenstehende nicht vollständig. Zum Beispiel kann ich mir keinen Reim darauf machen, wieso sich die Mutter am Ende in einen Mann verwandelt und dann Mona zu genau diesen Mann wird. Vielleicht hast du ja eine Idee, wenn ja gerne in die Kommentare.

 


Alkohol kann viel zerstören: nicht nur den eigenen Körper sondern auch die Liebe zu den Kindern, der Familie und sich selbst

 

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28.1.16 10:53

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Boris (28.1.16 12:39)
Hey, ein wirklich interessanter Beitrag. Ich beschäftige mich schon länger mit Traumdeutung und würde sagen, dass die Verwandlung in einen Mann mit dem Tod des Stiefvaters im Traum zusammenhängt. Hast du sie mal gefragt ob er ihrem Stiefvater ähnlich sah? Wenn ja dann hat ihr Bewusstsein vielleicht die Aufgabe auf die Mutter in Bezug auf den Alkohol aufzupassen auf sich selbst übertragen. So ähnlich würde ich es zumindest interpretieren. Gerne mehr solcher Fallgeschichten!

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